24. März 2015

Rezension: Dark Places - Gefährliche Erinnerung von Gillian Flynn


Kurzbeschreibung

Sie war sieben, als die Schüsse fielen. Als sie in die kalte Nacht hinauslief und sich versteckte. Als ihre Mutter und ihre beiden Schwestern umgebracht wurden. Als ihre Zeugenaussage ihren Bruder hinter Gitter brachte. Jetzt, 25 Jahre später, ist aus Libby Day eine verbitterte, einsame Frau geworden, deren Leben eigentlich keines mehr ist. Doch inzwischen gibt es Leute, die an der Schuld ihres Bruders zweifeln. Libby muss noch einmal ihre Vergangenheit aufrollen: Was hat sie in jener verhängnisvollen Nacht wirklich gesehen? Ihre Erinnerungen bringen sie in Lebensgefahr – so wie damals.

Meine Meinung

Obwohl ich oft versuche meine Erwartungen an ein Buch möglichst niedrig zu halten, ist mir das in diesem Fall nicht besonders gut gelungen. Nach Gone Girl stand für mich fest, dass es sich bei Gillian Flynn um eine Art Ausnahmetalent handelt. Zumindest in meinen Augen. Ich habe schon viele Thriller gelesen und habe daher nach ersten Anlaufschwierigkeiten gemerkt, dass diese Autorin anders ist und mit einem ganz eigenen Schreibstil aufwarten kann.  Dies war für mich Grund genug, um mehr von ihr zu lesen!

Selbstverständlich habe ich sofort wieder bemerkt, wie außergewöhnlich  diese Geschichte sein wird. Dennoch hatte ich erneut Schwierigkeiten in den Lesefluss hineinzufinden. Möglicherweise lag es daran, dass Gillian Flynn eine besondere Vorliebe für  Details zu haben scheint. Was ich jedoch in keinster Weise kritisieren möchte.  Ich persönlich benötige lediglich etwas Zeit, um damit warm zu werden. Wenn man dann aber einen bestimmten Punkt überwunden hat, kann man kaum die Finger davon lassen und möchte unbedingt wissen, welchen weiteren Verlauf die Geschichte nimmt.

Ihr detaillierter Schreibstil macht den besonderen Reiz dieses Buches aus. Die Beschreibungen sind knallhart, direkt und manchmal auch sehr kalt. Als Leser braucht man starke Nerven und es ist nicht immer einfach mit den düsteren Ereignissen umzugehen. Gillian Flynn erzeugt in Dark Places - Gefährliche Erinnerung eine dunkle und erbarmungslose Atmosphäre, die sich auch in den Charakteren widerspiegelt. 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Libby.  Vor vielen Jahren hat sie auf einen Schlag beinahe ihre gesamte Familie verloren. Von einem Moment auf den nächsten entsteht ein wahnsinnig großer Riss in ihrem Leben. Ihre beiden älteren Schwestern und ihre Mutter sterben bei einem Blutbad, das angeblich durch ihren Bruder verursacht wurde, der anschließend im Gefängnis landet. Was das in einem Menschen auslöst, kann man sich nicht annähernd vorstellen. Libby war noch nie ein lebenslustiges Kind, aber was für ein Einschnitt dieser Schicksalsschlag für sie sein muss ist deutlich zu spüren. Durch ihre forsche, abweisende Art stößt sie auch beim Leser nicht auf viel Sympathie. Im Grunde hat sie sich mit der Zeit immer mehr in sich zurückgezogen und von der Außenwelt abgeschottet. Ein Leben mit sozialen Beziehungen oder einem normalen Alltag ist unmöglich. Trotzdem finde ich hat sie im Laufe der Geschichte eine kleine Wandlung durchgemacht, die zwar sehr langsam abläuft, aber doch vorhanden ist.  Dies liegt vermutlich daran, dass sie sich erst jetzt mit den damaligen Geschehnissen auseinandersetzt und sich damit auch öffnet. Was andere Charaktere betrifft, war ich häufig ziemlich erschrocken. Gillian Flynn nimmt den Leser mit an den untersten Rand der Gesellschaft. So lernt man Menschen kennen, deren Leben von Drogen und Kriminalität beherrscht werden. Ein Leben am Abgrund und ohne jegliche Zukunftsaussichten.

Nicht nur der Schreibstil von Gillian Flynn ist einzigartig, sondern auch der Aufbau ihrer Geschichten. Es findet ein ständiger Wechsel zwischen der Gegenwart und Vergangenheit statt. Im Hier und Jetzt macht man sich zusammen mit Libby auf die Suche nach Antworten. Gleichzeitig erlebt man hautnah mit, was sich damals vor der besagten Nacht alles abspielt und wie alles nach und nach außer Kontrolle gerät. 

Für mich war eigentlich alles realistisch und authentisch dargestellt. Bis dann das Ende kam. Auch wenn die Auflösung logisch präsentiert wurde, war es mir doch einen Tick zu viel. Es konnte mich einfach nicht komplett zufriedenstellen. Ich kann nicht sagen, was für ein Ende ich mir gewünscht hätte, aber das war es nicht. Hierbei spielen einige merkwürdige Zufälle eine Rolle, die bei mir einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen und leider zu Punktabzug führen.

Der schwierige Einstieg und das schwache Ende werden mich nicht davon abhalten weitere Werke von Gillian Flynn zu lesen. Rundherum auf jeden Fall ein Buch, das mir gefallen hat und das durch einen speziellen Schreibstil, eine düstere Atmosphäre und teilweise ziemlich kranke Charaktere auffällt. 



Preis: € 14,99 | Format: Klappenbroschur | Seitenzahl: 464 | ISBN: 978-3-651-01189-2 
Bewertung: 3 Sterne | Verlag: FISCHER Scherz | Will ich kaufen!


Kommentare:

  1. Deine Rezension lässt ein sehr klaren Bild der Geschichte entstehen. Mir wurde bereits der Titel "Gone Girl" von Gillian Flynn empfohlen. Es scheint, als sollte ich mir endlich einmal Zeit für ein Werk von ihr nehmen.

    Liebe Grüße vom Buch- und Medienblog!
    Oliver Steinhäuser

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    1. Hallo Oliver,

      deine Worte haben mich wirklich sehr gefreut. Denn genau das ist es, was ich mit Rezensionen bewirken möchte :)

      Zu Gone Girl findest du ebenfalls eine Rezension auf meinem Blog.
      Es hat mir noch besser gefallen als Dark Places, aber die Autorin kann ich generell jedem nur ans Herz legen!

      Liebe Grüße
      Juliana

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  2. Hallo Juliana,

    ich hatte letztes Jahr "Gone Girl" von Ihr gelesen und war nur mäßig begeistert, gerade wegen dem etwas "seltsamen Schreibstil". Die Idee dahinter hatte mir aber gefallen. Und jetzt kommst du mit dieser wirklich super geschriebenen Rezi zu "Dark Places" und ich muss sagen, ich glaube das muss ich lesen :)

    Ich habe ja auch noch "Cry Baby" auf dem SUB liegen und auch diesem Buch möchte ich noch eine Chance geben.

    Danke und liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      es freut mich natürlich extrem, dass meine Rezi dir so gut gefallen hat, dass du es unbedingt lesen möchtest :) trotzdem ist der Schreibstil natürlich ähnlich oder genau so speziell wie in Gone Girl. Finde es aber immer klasse, wenn man einem Autor noch eine Chance gibt und würde mich freuen, wenn du davon berichtest sobald du nochmal was von Gillian Flynn gelesen hast! Cry Baby werde ich auch definitiv noch lesen!

      Liebe Grüße
      Juliana

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  3. Ich muss zugeben, dass mir Gone Girl überhaupt nicht gefallen hat und ich daher etwas abgeschreckt bin, weitere Bücher der Autorin zu lesen. Trotzdem möchte ich ihr irgendwann noch einmal eine Chance geben und ich glaube es wird dieses Buch hier werden. Deine Rezension gefällt mir gut und was du so schreibst spricht mich ziemlich an :)

    LG
    Anika

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    1. Hallo Anika,

      Gone Girl ist wohl wirklich so ein Buch, bei dem die Meinungen extrem auseinander gehen. Wahrscheinlich gilt das aber für alle Bücher von Gillian Flynn. Finde es toll, dass ich dich mit meiner Rezi trotzdem begeistern konnte :) und vielleicht liegt dir das Buch ja mehr!

      Liebe Grüße
      Juliana

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  4. Liebste Jule, ich kann die Rezension so unterschreiben!
    Diese Auflösung, die ja eigentlich logisch war, aber irgendwie ... stört sie mich :D Sie fühlt sich "falsch" an, wenn das einen Sinn ergibt.

    Alles Liebe ♥

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    1. Das bestätigt mein Gefühl, was dieses Buch betrifft. Freut mich, dass wir zwei mal wieder einer Meinung sind :)

      Von Cry Baby warst du aber begeistert oder? Das möchte ich dann auf jeden Fall noch lesen.

      Liebe Grüße <3

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